Gürtelrose

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Gürtelrose (Herpes zoster): Vom Windpockenvirus ausgelöste hochschmerzhafte Erkrankung mit bläschenförmigem Hautausschlag. Sie breitet sich gürtelförmig im Versorgungsgebiet eines oder mehrerer Nerven aus und beschränkt sich in aller Regel auf eine Körperhälfte. Die Mehrheit der Gürtelrose-Patienten ist zwischen 50 und 70 Jahre alt. Besonders anfällig sind Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem, z. B. infolge einer schweren Grippe, HIV-Infektion oder Krebserkrankung. Die Erkrankung heilt meist innerhalb von 2–3 Wochen ab, führt jedoch gelegentlich zu chronischen, Monate bis Jahre anhaltenden Schmerzzuständen (Post-Zoster-Neuralgie). Zu Rückfällen kommt es nur selten.


Inhaltsverzeichnis

Leitbeschwerden


Wann zum Arzt

Am gleichen Tag, wenn Hautveränderungen auftreten, die zu einer Gürtelrose passen.

Sofort, wenn die Beschwerden in Augennähe auftreten oder von Lähmungserscheinungen begleitet sind.


Die Erkrankung

Oben: Gürtelrosebläschen am Hals eines 34-Jährigen (links) und vergrößerte Darstellung (rechts). Unten: Klassische Gürtelform der Gürtelrose an Rücken und Rumpf einer 63-jährigen Patientin. Der „Gürtel“ verläuft meist nur einseitig von der Wirbelsäule in Richtung Brustbein. Die Herpesbläschen befinden sich auf der Körperhaut entlang der betroffenen Nervenbahnen. Während der Abheilung (rechts) verblasst der Ausschlag und die Bläschen gehen unter Krustenbildung zurück.

Bei der Gürtelrose handelt es sich um eine Zweiterkrankung mit dem Varizella-Zoster-Virus, dem Erreger derWindpocken. Nach überstandener Windpockenerkrankung zieht sich das Virus in Teile des Nervensystems (Nervenwurzeln) zurück und verfällt dort in eine Art Schlaf. Im Rahmen einer Abwehrschwäche sowie außergewöhnlicher psychischer oder körperlicher Belastungen kann es geschehen, dass die im Körper befindlichen Viren „aufwachen“: Die reaktivierten Erreger wandern über die Nervenbahnen zurück zur Haut und lösen dort die typischen Beschwerden aus. Auch nach einer erfolgreichen Windpockenimpfung sind Fälle von Gürtelrose bekannt geworden.

Die Erkrankung tritt bevorzugt gürtelförmig an einer Seite des Körperstamms auf. Gelegentlich ist auch die Gesichtshaut befallen, insbesondere im Bereich des oberenTrigeminusnervs ( Trigeminusneuralgie ), d. h. im Gebiet von Auge, Nase, Stirn und behaarter Kopfhaut. Gefährlich ist eine Beteiligung der Augen, da sie manchmal zu bleibenden Schäden bis hin zur Erblindung führt. Bei einer Gürtelrose im Bereich des Ohrs kann es zu (meist) vorübergehender Gesichtslähmung ( Idiopathische Gesichtslähmung ), Hörverlust oder Störungen des Geschmacksinns kommen. Sehr selten breitet sich das Windpockenvirus über die Blutbahn auf den gesamten Körper einschließlich der inneren Organe aus. Diese lebensbedrohliche Komplikation betrifft vornehmlich hochbetagte und/oder abwehrgeschwächte Patienten. Gelegentlich geht eine Gürtelrose ohne die typischen Hautveränderungen einher. Diese schwer zu diagnostizierende Sonderform trägt die Bezeichnung Zoster sine herpete. Wochen bis Monate nach Abheilen der Gürtelrose treten manchmal an der gleichen Stelle schwerste, attackenartige Nervenschmerzen auf, die als Post-Zoster-Neuralgie bezeichnet werden. Je älter ein Gürtelrose-Patient ist, desto höher ist das Risiko für das Auftreten dieser ungefährlichen, aber quälenden Komplikation, die oft über viele Monate bis Jahre anhält. Eine frühzeitige Behandlung mit geeigneten Medikamenten lässt das Risiko sinken: Als weitere Krankheitsfolge bleiben nach Abheilen der Hautveränderungen häufig überpigmentierte (stärker gebräunte) oder depigmentierte (entfärbte) Hautpartien zurück, gelegentlich auch Narben.


Für Menschen, die bereits eine Windpockeninfektion durchgemacht haben, ist eine Gürtelrose nicht ansteckend. Wer jedoch noch keinen Kontakt mit dem Windpockenvirus hatte, kann durch eine an Gürtelrose erkrankte Person die Windpocken bekommen – und nicht, wie man meinen könnte, die Gürtelrose.


Das macht der Arzt

Wer bei sich erste Anzeichen einer möglichen Gürtelrose feststellt, sollte sofort einen Arzt aufsuchen. Um eine lange Wartezeit zu vermeiden, empfiehlt es sich, die Sprechstundenhilfe über den Verdacht zu informieren. Denn je früher die Behandlung beginnt, desto besser lassen sich Beschwerden und Komplikationen in den Griff bekommen. Mittel der Wahl sind Virostatika wie Famciclovir (z. B. in Famvir® 250mg Filmtabletten ) oder Brivudin (z. B. in Zostex® Tabletten ). Oft lassen die Schmerzen schon binnen weniger Stunden nach und die Hautveränderungen gehen zurück. Für eine optimale Wirkung ist es jedoch erforderlich, die Präparate mindestens 1 Woche lang einzunehmen.

Entwickelt sich trotz frühzeitiger Therapie eine Post-Zoster-Neuralgie, erfordern die starken Schmerzen eine differenzierte, oft kombinierte Behandlung, eventuell durch einen Schmerztherapeuten. Neben NSAR-Schmerzmitteln ( Pharma-Info: Parkinson-Medikamente ) kommen dabei Opoide,Morphinderivate ( Medikamentöse Schmerztherapie ), Antidepressiva ( Medikamentöse Schmerztherapie ) undAntiepileptika ( Medikamentöse Schmerztherapie )zum Einsatz. Die schmerzlindernde Wirkung einer TENS-Therapie ( Nicht-medikamentöse Schmerztherapie ) ist in Einzelfällen dokumentiert, aber noch nicht wissenschaftlich gesichert.


Selbstbehandlung

Kalte Umschläge oder Kompressen mildern häufig die Beschwerden. Schmerzlindernd wirken sowohl bei einer akuten Gürtelrose als auch bei einer Post-Zoster-Neuralgie Puder und Cremes mit lokalen Betäubungsmitteln (z. B.Benzocain in Anaesthesin® oder Polidocanol in Eucerin® Akutspray oder Anaesthosulf® ).

Um die Krankheit schneller zu überwinden, braucht der Körper Ruhe und ausreichend Schlaf.


Vorsorge

Ein Impfstoff gegen Herpes Zoster existiert bereits, ist allerdings noch nicht im Einsatz. Er hat zum Ziel, den Ausbruch der Erkrankung insbesondere bei gefährdeten Personen zu verhindern.


Komplementärmedizin

JedeGürtelrose( Gürtelrose ) gehört in ärztliche Behandlung, da schwerwiegende Komplikationen auftreten können. Maßnahmen der Komplementärmedizin lassen sich jedoch ergänzend einsetzen, um die Erkrankung zu verkürzen und Beschwerden zu lindern. Gegen die Post-Zoster-Neuralgie helfen Elektrotherapie, Pflanzenheilkunde und Akupunktur. Zur Behandlung des Ausschlags haben sich Pflanzenheilkunde, Homöopathie sowie Packungen bewährt.

Hydrotherapie ( Näheres ( [[Wasser, Bäder und Inhalationen]] )). Packungen aus Pelose-Heilschlamm sind zur Linderung der Beschwerden ebenso geeignet wie Kompressen mit Franzbranntwein oder Klosterfrau Melissengeist und Ganzkörperwaschungen mit unverdünntem Apfelessig . Schmerzen lassen sich wirkungsvoll mit Eis, in ein Tuch eingewickelt, reduzieren.

Elektrotherapie. Die Elektrotherapie ( Therapie durch Strom, Ultraschall und Laser ) mit Kurz- und Mikrowelle vermag sowohl die Abheilung der Bläschen zu fördern als auch die Schmerzen zu lindern. Dagegen hat die Ultraschalltherapie einen vornehmlich vorbeugenden Effekt, indem sie das Risiko einer nachfolgenden Post-Zoster-Neuralgie senkt.

Pflanzenheilkunde. Aufgrund seiner desinfizierenden Wirkung ist Teebaumöl empfehlenswert, z. B. in Form eines Verbands. Gegen die heftigen Schmerzen der Post-Zoster-Neuralgie wirkt Capsicain in Salbenform. Steht der Juckreiz im Vordergrund, helfen Packungen aus Apfelessig und Mais- oder Kartoffelmehl . Auch ätherische Öle aus Lavendel , Kamille oder Eukalyptus kommen zur Anwendung, und zwar als 20%ige Lösung, die drei- bis viermal täglich auf die betroffenen Hautpartien getupft wird.

Homöopathie ( Näheres ( Homöopathie )). Im Wesentlichen entsprechen die Homöopathika bei Gürtelrose denen bei Herpes. Bei starkem Juckreiz, Angst und Unruhe wählt man Arsenicum album , zeigt sich die Gürtelrose durch große Blasen mit Schwellung und Juckreiz, dann hilft Apis mellifica .

Akupunktur. Ein frühzeitiger Therapiebeginn mit Akupunktur ( Traditionelle Chinesische Medizin und Akupunktur ) wirkt sich positiv auf die Schmerzentwicklung aus.

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