Fibromyalgie

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Fibromyalgie (Fibromyalgie-Syndrom, somatoforme Schmerzstörung): Erkrankung mit Schmerzen in allen Gliedern und Gelenken, meist verbunden mit vegetativen Beschwerden wie Schlafstörungen oder Magen-Darm-Problemen. In Industrieländern sind 2–4 % der Bevölkerung betroffen, zu etwa 90 % Frauen, meist ab dem 4. Lebensjahrzehnt. Die starken Schmerzen diktieren vielen Patientinnen das Leben. Die Behandlung ist schwierig, 4 Jahre nach Diagnosestellung haben 97 % immer noch Beschwerden.


Inhaltsverzeichnis

Leitbeschwerden


Die Erkrankung

Heftige Druckschmerzen an den hier blau gekennzeichneten Tender points sind charakteristisch für die Fibromyalgie. Sind mindestens 11 der 18 Druckpunkte schmerzhaft, spricht dies für den Arzt für das Vorliegen dieser Erkrankung.

Zur Krankheitsentstehung gibt es zahlreiche Hypothesen. Diskutiert werden die Auslösung durch einen Infekt, eine Fehlregulation des Immunsystems, genetische Ursachen, Muskelverspannung und Depressionen. Keine dieser Hypothesen konnte die Fachwelt überzeugen und keine spielt in der Praxis eine große Rolle – weder für den Rheumatologen noch für den Patienten.

Es ist leichter zu beschreiben, was eine Fibromyalgie nicht ist: Sie ist keine entzündliche Erkrankung, keine degenerative Erkrankung und keine Stoffwechselkrankheit. Auch bei langer Krankheitsdauer werden weder Gelenke noch Muskeln oder Sehnen geschädigt. Viele Rheumatologen verwenden deshalb den Begriff Fibromyalgie nicht mehr, sondern sprechen von einer somatoformen Schmerzstörung.

Die Fibromyalgie wird von einigen Autoren zu den so genannten weichteilrheumatischen Erkrankungen (extraartikulärer Rheumatismus) gerechnet. Dies lehnt die Mehrzahl der Experten ab, denn es gibt keine der Fibromyalgie verwandte rheumatologische Erkrankung.

Muskelverspannungen, Sehnenscheidenentzündungen, Frostbeulen (Kälteschäden am Fettgewebe), Überbeine (Aussackungen einer Sehnenscheide oder Gelenkkapsel) – mehr oder weniger jeder Mensch macht im Laufe seines Lebens Erfahrungen mit Erkrankungen der Weichteile. Zu den betroffenen Weichteilgeweben zählen Muskeln, Sehnen, Sehnenscheiden, Schleimbeutel, Bänder, Binde- und Fettgewebe. Schmerzhafte Entzündungsreaktionen der Sehnenansätze werden als Insertionstendopathien ( Häufige Erkrankungs- und Verletzungsarten ) bezeichnet.Ist neben den Sehnen auch die Muskulatur betroffen, spricht man von einer Tendomyopathie. Als Folgen von Erkrankungen der Weichteile können auch Nervenirritationen auftreten. Am bekanntesten ist dasKarpaltunnelsyndrom, bei dem ein Nerv im Handgelenkskanal durch Ausdehnung anderer Gewebe, z. B. bei Überlastung, gequetscht wird.


Das macht der Arzt

Für den Arzt steht bei der Diagnose das Patientengespräch im Vordergrund. Wegweisend ist für ihn nicht nur der Inhalt, sondern auch die Art der Schilderung. Fibromyalgie-Patienten leiden stark unter ihrer Krankheit, was in der angespannten oder gedrückten Art zum Ausdruck kommt, mit der sie ihre Beschwerden schildern. Sie empfinden die Schmerzen viel eher als unerträglich als die meisten Patienten mit z. B. Rheumatoider Arthritis. Der Ausschluss anderer Erkrankungen ist für erfahrene Rheumatologen in aller Regel nicht schwierig.

Als Diagnosekriterien gelten nach den Empfehlungen der US-Gesellschaft für Rheumatologie:

Die Anwendung der Kriterien und insbesondere der Tender points (Druckpunkte) ist problematisch, weil die Druckstärke schwer zu objektivieren ist und der Arzt sich auf Patientenangaben über die Schmerzstärke verlassen muss. Die Schmerzen sind nicht auf diese Druckpunkte beschränkt, sie spiegeln lediglich eine allgemein erhöhte Druckschmerzempfindlichkeit am ganzen Körper wider.

Darüberhinaus ergeben weder Laboruntersuchungen noch Ultraschall oder Röntgen richtung weisende Befunde. Deshalb nützen weitere umfangreiche Untersuchungen kaum.

Die Therapie besteht aus:

Wichtig ist es vor allem, dass die Betroffenen die Krankheit mit ihren Schmerzen akzeptieren und nicht, wie häufig praktiziert, von Arzt zu Arzt wechseln und auf den Durchbruch in Diagnostik oder Therapie hoffen.


Selbsthilfe

Es gibt keine andere rheumatologische Krankheit, die als so belastend und einschneidend erlebt wird, aber auch nach jahrelangem Verlauf keinerlei fassbare Schäden an Gelenken oder Muskeln hinterlässt. Daher ist der Betroffene im Umgang mit seiner Erkrankung ganz besonders gefordert. Auf diesem Grundgedanken aufbauend haben sich die folgenden Regeln zur Selbsthilfe und Lebensführung bewährt: Die Krankheit anerkennen. Die wichtigste Erkenntnis lautet: Sie selbst sind Ihr bester Therapeut. Ärzte, Heilpraktiker und Medikamente können Sie unterstützen, aber den Schlüssel zu einem möglichst schmerzfreien Leben haben Sie selbst in der Hand.

Seien Sie realistisch in Ihren Erwartungen an Schul- oder Komplementärmedizin. Fibromyalgie-Patienten neigen nicht selten zum „Doctorshopping“, also einem häufigen, oft kostspieligen Arzt- und Therapiewechsel, profitieren aber fast nie davon.

Richten Sie sich darauf ein, dass die Fibromyalgie Sie zwar über viele Jahre begleitet, aber nicht „auffrisst“. Betrachten Sie die Erkrankung z. B. wie ein lästiges Tier, das Sie zwar auf Schritt und Tritt begleitet, welches aber keine Macht über Sie besitzt.

Lernen Sie sich zu beobachten: Was verstärkt die Schmerzen (z. B. Schlafmangel oder zuviel Schlaf), was lindert mehr (z. B. ein Glas Wein am Abend), wie wirken Medikamente oder eine Fastenkur? Distanz gewinnen. Distanz zu den eigenen Schmerzen zu gewinnen ist der Schlüssel zu einem besseren Leben. Dabei hilft es, gezielteEntspannungsverfahren ( Entspannungsverfahren und Mind-Body-Therapien ) zu erlernen,um im Alltag immer wieder Inseln der Ruhe und Entspannung einzurichten, aber auch dem eigenen Leben wieder neue Impulse und Ziele zu geben.

Reden Sie über Ihre Erkrankung, z. B. mit Ihrem Partner oder in einer Selbsthilfegruppe, aber ziehen Sie auch hier Grenzen. Wenn Sie von Ihrem Partner oder Ihren Kindern jeden Morgen die Frage erwarten, wie es Ihnen geht, machen Sie etwas falsch.

Lassen Sie sich helfen (z. B. im Haushalt), aber lassen Sie sich nicht bedienen – ein möglichst aktives Leben ist letztlich besser für Sie. Dazu gehört auch Sport. Dabei ist nicht wichtig, ob Sie das Fitness-Studio bevorzugen oder Nordic Walking – Bewegung tut Ihnen gut, nicht nur den Gelenken, sondern auch dem ganzen Körper.

Negativfaktoren abstellen. Trotzdem sollten Sie Negativfaktoren in Ihrem Leben abstellen. Überlegen Sie, was dazu zählt, und was Sie mit Ihrer Energie und Lebenskraft tun können, um unguten Stress aus Ihrem Leben zu verbannen.

Wenn Sie Ihren Beruf nur noch als Last empfinden und an einen Rentenantrag denken, überlegen Sie, ob Sie das wirklich zufriedener machen würde. Viele Ärzte haben erlebt, dass Fibromyalgie-Patienten nach der Frühverrentung erst recht Probleme haben, da sie sich nur noch auf ihre Beschwerden konzentrieren.


Komplementärmedizin

Entspannungsverfahren. Zur besseren Krankheitsbewältigung wird Entspannungstherapien ( Entspannungsverfahren und Mind-Body-Therapien ) wie Autogenem Training, Progressiver Muskelrelaxation nach Jacobson, Yoga und der Feldenkrais-Therapie ein hoher Stellenwert eingeräumt, zumal auch wichtige Begleitsymptome wie Schlafstörungen, seelische Anspannung oder depressive Verstimmungen gut durch regelmäßige Übungen gelindert werden können. Eine amerikanische Studie belegt zudem, dass Tai Chi schmerzlindernd wirkt. So reduzierte sich die Anzahl der Schmerzpunkte bei Fibromyalgie-Patienten, die zwölf Wochen lang ein Tai-Chi-Training absolvierten, um knapp die Hälfte. Das Training verbesserte außerdem Lebensqualität, Beweglichkeit und Schlaf der Patienten.

Meditation. Anspannung und Leidensdruck abzubauen, aber auch Schmerzen und Beeinträchtigungen besser anzunehmen, ist das Ziel verschiedener Meditationstechniken. Es liegen eine Reihe positiver Erfahrungsberichte von Fibromyalgie-Patienten vor, wonach regelmäßig ausgeübte Meditation langfristig zu einer Linderung der Beschwerden und damit zu einer Steigerung der Lebensqualität führt – dies wird inzwischen auch durch verschiedene Studien belegt.

Bewegungstherapie. Regelmäßige sportliche Betätigung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Linderung der Fibromyalgie-Symptome. AlsBewegungstherapie ( Physikalische Verfahren ) wird regelmäßiges Ausdauertraining empfohlen, z. B. Walking, Schwimmen oder Radfahren – die positiven Effekte lassen allerdings rasch wieder nach, wenn das Training nicht kontinuierlich fortgesetzt wird. Wichtig ist auch, die Intensität realistisch zu bemessen, so dass es auch in Phasen, in denen die Schmerzen stärker sind, nicht für längere Zeit unterbrochen werden muss.

Mind-Body-Therapien. Mind-Body-Therapien ( Entspannungsverfahren und Mind-Body-Therapien ) zielen darauf ab, mit einem breit gefächerten Spektrum an verschiedenen Einzelverfahren den Lebensstil so zu verändern, dass krankheitsfördernde Aspekte wie z. B. andauernde Stressbelastung zunehmend in den Hintergrund treten, wohingegen Strategien zur Krankheitsbewältigung zu einem festen Bestandteil des täglichen Lebens werden. Dieser ursprünglich für Herz-Kreislauf-Kranke konzipierte Ansatz hat sich auch für Fibromyalgie-Patienten bewährt. Näheres sieheKoronare Herzkrankheit ( Koronare Herzkrankheit und stabile Angina pectoris ).

Akupunktur. ObAkupunktur( Traditionelle Chinesische Medizin und Akupunktur )langfristig eine Verbesserung der Symptome bewirkt, wird derzeit in verschiedenen Studien geprüft. Da es sich bei der Fibromyalgie um ein komplexes Krankheitsbild handelt, befürworten die meisten Therapeuten ein individuell abgestimmtes Vorgehen, bei dem die zu nadelnden Punkte erst nach eingehender Anamnese festgelegt werden.

Homöopathie. In einigen Fällen scheint eine individuell abgestimmtehomöopathische ( Homöopathie ) Konstitutionstherapie eine Linderung der Beschwerden zu bewirken.

Magnettherapie. Positive Erfahrungsberichte liegen auch zur , und zwar zur Behandlung mit pulsierenden Magnetfeldern vor. Genaueres siehe Rheumatoide Arthritis.


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