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Häufigkeit: Ziemlich selten Der zuständige Arzt oder die entsprechend spezialisierte Therapieeinrichtung behandelt im Durchschnitt mindestens einmal im Monat einen von der entsprechenden Krankheit Betroffenen. Dem entspricht bei chronischen Erkrankungen eine Betroffenheit von >0,1% (1:1000) und bei akuten Erkrankungen eine Häufigkeit von >0,2% (1:500) einmal im Leben.

Beispiele:
Zahl der Erkrankungen an Eierstockkrebs, Leukämie oder Hirnhautentzündung (Meningitis).

Unterschenkelbruch

Unterschenkelbruch (Unterschenkelfraktur): Gemeinsamer Bruch des Schienbeins (Tibia) und des Wadenbeins (Fibula). Beide Knochen können auch isoliert brechen, dann handelt es sich um einen Schienbein- bzw. Wadenbeinbruch.

Die Verletzung tritt meist nach starker Gewalteinwirkung auf, im Schaftbereich sind offene Brüche häufig. Bei knienahen Schienbeinbrüchen verläuft der Bruch oft durch das Schienbeinplateau ins Kniegelenk. Eher selten treten bei Laufsportlern Ermüdungsbrüche des Schienbeinschaftes auf. In der Mehrzahl der Fälle werden diese Brüche heute operiert, obwohl bei unverschobenen und geschlossenen Brüchen auch ohne Operation gute Ergebnisse erzielt werden können. 

Leitbeschwerden

  • Stärkste Schmerzen im Unterschenkel, Stehen und Gehen unmöglich
  • Oft sichtbare Fehlstellung
  • Bei Schienbeinkopfbrüchen Knieschwellung, eventuell Knieschmerzen.

Wann zum Arzt

Sofort zum Arzt bei starken Schmerzen, die Gehen oder Stehen unmöglich machen.

Den Notarzt rufen bei stärksten Schmerzen am Unterschenkel oder Fehlstellungen des Beins.

Die Erkrankung

Das Schienbein bildet zusammen mit dem Wadenbein die knöcherne Basis des Unterschenkels. An der Vorderkante ist es nicht von Muskulatur, sondern lediglich von einer Hautschicht bedeckt. Kommt es zu einer Knochenverletzung, durchbohren die scharfen Bruchkanten häufig die Haut und verursachen damit einen offenen Knochenbruch. Bei großer Krafteinwirkung bricht das Schienbein meist mitten im Schaftbereich. Das nur fingerdünne Wadenbein ist in der Regel mit betroffen; der Arzt spricht dann von einem kompletten Unterschenkelbruch im Unterschied zum alleinigen Schienbeinbruch.

Isolierte Wadenbeinbrüche kommen am Unterschenkelschaft nur selten vor, in der Regel nach einem direkten Anprall gegen die Außenseite des Unterschenkels. Brüche im oberen oder unteren Anteil des Wadenbeins sind dagegen häufig im Rahmen von Sprunggelenksverletzungen zu finden.

Durch die große Krafteinwirkung splittert der Knochen oft in mehrere Bruchstücke und bildet eine Trümmerzone. Auch ohne Unfall kommt es gelegentlich zu Unterschenkelbrüchen, wenn ein Sportler die Belastbarkeit des Schienbeinknochens überfordert. Ein solcher Ermüdungsbruch kommt v.a. bei Joggern vor, die ihr Trainingspensum zu rasch steigern. Auch bei älteren Menschen mit Osteoporose finden sich gelegentlich Unterschenkelbrüche ohne vorangehende stärkere Gewalteinwirkung, typischerweise am kniegelenksnahen Teil des Schienbeins (Schienbeinkopfbruch, Tibiakopffraktur). Banale Stürze auf das Knie reichen, um eine solche pathologische Fraktur auszulösen.

Das macht der Arzt

Zwei Röntgenbilder mit einem kompletten Unterschenkelbruch,also von Schien- und Wadenbein. Links: Seitliche Aufnahme mit äußerem Spanner (Fixateur externe). Duch ihn werden die Bruchstücke wieder in die richtige Position gebracht und gehalten. Im Fußbereich stabilisieren zwei Schrauben einen Sprungbeinbruch. Rechts: Aufnahme von vorne nach der zweiten OP, in der die Bruchstücke mit Marknagel, Platten und Schrauben in der endgültigen Stellung fixiert wurden.
[GTV 2561]

Das Beschwerdebild eines Unterschenkelbruchs ist meist eindeutig. Röntgen- und/oder CT-/Kernspinbilder bestätigen die Diagnose.

Nur geschlossene wenig verschobene Brüche (z.B. die meisten Schuhrandbrüche bei Ski- oder Motorradunfällen) lassen sich konservativ behandeln, üblicherweise durch eine mehrwöchige Ruhigstellung im Gips. Die ersten 4-6 Wochen ist meistens ein Oberschenkelgips erforderlich, für die folgenden 2-4 Wochen genügt dann ein Unterschenkelgips. Vor allem der Oberschenkelgips behindert sehr stark. Viele Patienten entscheiden sich aus diesen Überlegungen heraus für die Operation, denn nach einer Operation kann man auf einen Gips oft ganz verzichten. Bereits wenige Tage nach der Operation können die Patienten aufstehen und mindestens teilweise schon belasten.  

Verschobene Brüche müssen operiert werden, das Schienbein wird im Schaftbereich meistens genagelt, zu den Gelenken hin kommen auch Platten in Frage. Nur manchmal muss auch das Wadenbein operiert werden, in der Regel wird es in diesen Fällen durch eine Platte stabilisiert.

Schwieriger ist die Behandlung von offenen Brüchen. Um die Gefahr von Knocheninfektionen (Osteomyelitis) zu minimieren, erfolgt die Fixierung des Knochens mit möglichst wenig eingebrachtem Material – Drähten, Schrauben, einem Marknagel oder einem äußeren Spanner (Fixateur externe).

Eine häufige Komplikation von geschlossenen Unterschenkelfrakturen ist ein Kompartmentsyndrom. Das ist ein Notfall, der nur durch eine sofortige Operation behoben werden kann. 

Ungünstig sind auch Schienbeinkopfbrüche, die das Tibiaplateau einbeziehen: Da dieses die Gelenkfläche des Kniegelenks bildet, führen bleibende Unebenheiten oder Stufen unvermeidlich zur vorzeitigen Kniegelenksarthrose. Um die Gelenkfläche möglichst originalgetreu zu rekonstruieren, hebt der Operateur den abgesunkenen Teil des Tibiaplateaus an und unterfüttert ihn mit Knochensubstanz aus dem Beckenkamm. Schrauben oder spezielle Abstützplatten bewahren den Knochen vor erneutem Abrutschen.

Auch bei optimaler Operationstechnik gelingt nicht immer eine befriedigende Heilung. Bleibende Fehlstellungen oder Knieinstabilitäten gehören zu den häufigsten Folgen.

Dr. med. Martin Schäfer, erstellt am Mar 4, 2008, letzte Änderung am Aug 18, 2008
© Gesundheit heute, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH

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