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Häufigkeit: Mäßig häufig In jedem größerem Betrieb, bei Kindern in größeren Schulen findet sich gelegentlich ein Fall. Der zuständige Facharzt sieht mindestens einmal in der Woche einen Erkrankten. Dem entspricht bei chronischen Erkrankungen eine Betroffenheit von >0,4% (1:250) und bei akuten Erkrankungen, dass jeder Hundertste erkrankt.

Beispiele:
Herzfehler – 1% der Kinder werden damit geboren oder die Zahl der Menschen, die sich mindestens einmal im Leben mit Gonorrhoe (Tripper) infizieren.

Akute Bauchspeicheldrüsen-Entzündung

Akute Bauchspeicheldrüsen-Entzündung (akute Pankreatitis): Plötzlich auftretende, nicht durch eine Infektion bedingte Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Wichtigste Ursachen sind im Bauchspeicheldrüsengang eingeklemmte Gallensteine, Alkoholmissbrauch oder eine genetische Veranlagung zu Bauchspeichedrüsen-Entzündungen. Betroffen sind vor allem Menschen im Alter von 30–50 Jahren. Je nach Schweregrad verläuft die Krankheit in 1-15 % der Fälle tödlich. Wichtig ist eine möglichst rasche Behandlung und Überwachung in der Klinik.

Leitbeschwerden

  • Plötzlich auftretende heftige und lang anhaltende Schmerzen im Oberbauch, oft gürtelförmig um den Bauch, aber auch in andere Richtungen ausstrahlend
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schweres Krankheitsgefühl
  • Häufig Fieber
  • Blutdruckabfall, in schweren Fällen Schock mit Herzrasen, Kaltschweißigkeit und Angst bis hin zum Kreislaufversagen
  • Gelegentlich Gelbfärbung der Haut bei Einklemmung eines Gallensteins.

Wann zum Arzt

Sofort den (Not-)Arzt rufen, wenn obige Beschwerden auftreten!

Die Erkrankung

Ursachen. Auslöser einer akuten Bauchspeicheldrüsen-Entzündung sind am häufigsten die Einklemmung eines Gallensteins im Bauchspeicheldrüsengang (45 %) und Alkoholmissbrauch (35 %). In 15 % der Fälle lässt sich keine Ursache finden und die übrigen 5 % verteilen sich auf Folgen einer Medikamenteneinnahme (z.B. Diuretika, Betablocker, ACE-Hemmer, Östrogene, Kortison, Antibiotika, Azathioprin), einer Bauchverletzung, einer Virusinfektion, massiver Fettstoffwechselstörungen (Hypertriglyzeridämie) oder eines stark erhöhten Kalziumspiegels, z.B. bei einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen.

Der Verlauf der Krankheit lässt sich schwer voraussagen. Schwerste Schäden drohen immer, wenn hochaktive Verdauungsenzyme von der Bauchspeicheldrüse freigesetzt werden, die das Gewebe der Bauchspeicheldrüse teilweise oder sogar vollständig verdauen und so unwiderruflich zerstören. Es kommt dann zur Pankreasinsuffizienz und zum Diabetes. Ein eingeklemmter Gallenstein kann darüber hinaus zum Darmverschluss führen. Weitere Komplikationen sind Pleuraergüsse, Lungenentzündungen, Abszesse und Blutvergiftung bis hin zu Kreislaufversagen und lebensgefährlichen Magen-Darm-Blutungen.

Spätfolgen. Nach Heilung einer akuten Bauchspeicheldrüsen-Entzündung bleiben bei 5 % der Patienten mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume (Pankreas-Pseudozysten) in der Bauchspeicheldrüse bestehen, die Druckgefühle im Oberbauch und, wenn sie sich entzünden, Fieber verursachen können.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Aufgrund der heftigen andauernden Schmerzen im Oberbauch, dem schlechten Allgemeinzustand und einer Erhöhung der Bauchspeicheldrüsenenzyme Lipase, Elastase 1 (wird im Stuhl bestimmt) und Pankreasamylase stellt der Arzt die Diagnose. Im Ultraschall kann er eine durch Flüssigkeitseinlagerung vergrößerte und schlecht gegen andere Organe abgrenzbare Bauchspeicheldrüse sowie eventuell abgestorben Bereiche und gegebenenfalls auch eingeklemmte Gallensteine erkennen. Zur genauen Beurteilung der Schwere der Entzündung wird auch ein CT mit Kontrastmittelgabe durchgeführt.

Liegt eine Steineinklemmung zugrunde, wird der Arzt eine (ERCP) durchführen, bei der er den Ausgang des Pankreaskanals (Pankreaspapille) spaltet, erweitert und den festsitzenden Stein entfernt.

Akuttherapie. Patienten mit einer akuten Bauchspeicheldrüsen-Entzündung müssen ins Krankenhaus, in schweren Fällen auf die Intensivstation. Eine der wichtigsten Behandlungsmaßnahmen ist die Gabe von Flüssigkeit in Form von Infusionen, da meist ein ausgeprägter Flüssigkeitsmangel besteht. Solange die Schmerzen andauern, darf der Patient weder essen noch trinken, stattdessen wird er über Infusionen ernährt. Die Schmerzen lassen sich mit Procain und/oder Opioiden wie Buprenorphin (Temgesic®) lindern. Zur Vermeidung eines Stressulkus wird die Sekretion des Magensafts mit Protonenpumpenhemmern gehemmt. Eine Magensonde ist bei Erbrechen oder beginnendem Darmverschluss notwendig.

Hat der Patient Fieber, droht eine Blutvergiftung. Konnte infiziertes abgestorbenes Gewebe nachgewiesen werden oder wurde die Bauchspeicheldrüsen-Entzündung durch einen eingeklemmten Gallenstein verursacht, erhält er intravenös Antibiotika.

Abszesse und Zysten werden punktiert und abgesaugt; Letztere nur, wenn sie groß sind und Beschwerden verursachen. Infizierte abgestorbene Gewebebereiche (Nekrosen) können–besonders bei Versagen der konservativen Behandlung (v.a. Schmerzmittel, Nulldiät)–operativ entfernt werden. Allerdings ist die Operationssterblichkeit mit 15 % relativ hoch.

Kostaufbau und Nachsorge. Sobald keine Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen mehr auftreten, kann der Patient mit einem vorsichtigen Kostaufbau, anfangs Tee und Zwieback, beginnen.

Um eine erneute Entzündung der Bauchspeicheldrüse zu vermeiden, werden Gallensteine entfernt und begünstigende Krankheiten (z.B. eine Fettstoffwechselstörung) behandelt. Der Patient muss auf Alkohol und potenziell schädliche Medikamente auf Jahre verzichten.

Komplementärmedizin

In Anbetracht der Schwere einer akuten Bauchspeicheldrüsen-Entzündung ist von jedem Versuch abzuraten, die Beschwerden (erst einmal) mit naturheilkundlichen bzw. komplementärmedizinischen Maßnahmen zu behandeln.

Dr. med. Arne Schäffler, erstellt am Mar 4, 2008, letzte Änderung am Jul 14, 2010
© Gesundheit heute, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH

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